Über KJD / Interview

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Kardo Sangene und Anya Delen

 

Hallo Kardo, Hallo Anya. Ihr beide seid Vorsitzende der Jugendorganisation „Kurdische Jugend in Deutschland e.V.“, von denen plötzlich alle hörten, als ihr auf dem Parteitag der Grünen friedlich die Bühne gestürmt und Anya eine sehr schöne Rede gehalten hatte. Könnt ihr euch kurz vorstellen?

Ich heiße Anya Delen, bin 24 Jahre alt und habe im Oktober vergangenen Jahres das Master-Studium der Politikwissenschaft an der RWTH in Aachen aufgenommen. Meine Eltern kamen vor etwa dreizig Jahren aus Mardin nach Deutschland. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich im münsterländischen Stadtlohn. Seit Ende November bin ich zweite Vorsitzende der Kurdischen Jugend Deutschland.

Mein ist Name Kardo Sangenne, ich bin 25 Jahre alt und ich studiere Lehramt an der Universität Kassel. Nach dem Sommersemester dieses Jahres werde ich meine Examensprüfungen antreten. Ich bin aus Kirkuk und lebe seit etwa 22 Jahren in Deutschland. In meiner Freizeit bin ich gerne sportlich aktiv.

Könnt ihr unseren Lesern etwas zur Gründungsgeschichte von KJD erzählen?

Der Ablauf der KJD-Gründung erfolgte recht schnell und erforderte intensive Arbeit. Dank einer Tagung unseres Dachverbandes der Kurdischen Gemeinde Deutschlands im Oktober trafen die Mitglieder der KJD erstmals aufeinander. Recht schnell waren wir uns einig darüber, dass ein überregionaler Jugendverein notwendig ist, sodass wir uns gleich an die Arbeit machten und die ersten Grundbausteine zur Vereinsgründung bereits innerhalb weniger Wochen legten.

Was motivierte euch den Parteitag der Grünen zu „stürmen“ bzw. friedlich zu besuchen?

Der Hintergedanke war ein einfacher. Bezüglich der Krisensituation in Kurdistan und der Hilfsleistungen der Bundesregierung gingen die Meinungen der Grünen innerparteilich sehr auseinander. Der Parteitag war eine günstige Gelegenheit, um nicht nur den Versuch zu unternehmen etliche Grünen-Politiker für unsere Position zu überzeugen, sondern insbesondere auch an die Öffentlichkeit zu treten und eine Vielzahl von Menschen zu erreichen, damit das Thema der kurdischen Unabhängigkeit und auf dem Weg dorthin die Unterstützung durch Waffenlieferungen als aktuelles Thema noch eine lange Zeit bestehen bleiben. Cem Özdemir stärkte uns auf dem Parteitag direkt den Rücken und bezog schnell Position, und das obwohl ein Großteil seiner Partei seine Meinung nicht teilt. Das fanden wir auch sehr bemerkenswert.

Werden wir uns auf weitere Parteitag-Überraschungen freuen dürfen?

Das nun sicher zu bejahen, können wir leider nicht. Solcherlei Aktionen hängen insbesondere mit einem wichtigen Anliegen unsererseits zusammen, weshalb wir weitere Aktionen definitiv auch nicht ausschließen werden. Wir sind ein hochdynamisches und aktives Team, deshalb dürft ihr gespannt auf weitere Überraschungen warten.

Wie würdet ihr KJD beschreiben? Habt ihr eine ideologische oder religiöse Ausrichtung, gar ein Wertesystem, dem ihr folgt?

Streng genommen haben wir weder eine ideologische noch religiöse Anschauung. Natürlich ist auch die Forderung nach einem unabhängigen Kurdistan wie wir es auf dem Grünen-Parteitag geäußert haben, eine gewisse Form der Ideologie. Jedoch können wir von uns behaupten, dass unsere Arbeit sich in erster Linie nicht auf dieses Ziel fokussiert und wir auch nicht religiös eingeengt sind. Die Religion politische Parteien spielen in unserer Arbeit keinerlei Rollen, da wir uns in erster Instanz über unsere Volkszugehörigkeit definieren – dass wir Kurden sind. Die Religion ist etwas sehr Intimes, was auch im Privaten ausgeübt werden sollte und unsere Arbeit nicht beeinflussen darf.

Wie wollt ihr kurdische Jugendliche unterstützen? Welchen Aufruf an die Jugend habt ihr?

Es gibt tatsächlich viele Möglichkeiten, um deutsch- kurdische Jugendliche zu unterstützen. Wir dürfen nicht vergessen, dass hier der Einfluss zweier sich stark voneinander unterscheidender Kulturen, die deutsche und die kurdische, aufeinandertreffen und die Kinder und Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit prägen. Ein besonderes Anliegen unsererseits ist es, die kurdische Kultur und Sprache bei den deutsch- kurdischen Kindern und Jugendlichen fortan zu mittels diverser Projekte aufrechtzuerhalten. Die Wahrung der kurdischen Identität soll hierdurch verstärkt auch fernab von den Stätten unserer nahöstlichen Wurzeln in Europa ermöglicht werden. Gleichzeitig möchten wir unseren Jugendlichen eine Stütze in Bildung, Integration, Partizipation darbieten. Unser Appell an unsere Jugend ist stets das Interesse und den Ehrgeiz zu wahren Verbesserungen unserer Situationen im europäischen Raum herbeiführen zu wollen und sich bereits früh für unsere deutsch- kurdischen Kinder und Jugendlichen zu engagieren. Ein direkter Ansprechpartner mit demselben kulturellen Hintergrund ist eine große Erleichterung, die oftmals unterschätzt wird.

In Anbetracht der Situation in Kurdistan: Gibt es etwas, was ihr auf dem Herzen habt?

Auch wenn die Situation kräftezerrend ist und man manchmal bereits die Hoffnung aufgegeben hat und sich hilflos fühlt: Niemand ist stärker als wir es sind und ganz besonders sind wir stark, wenn wir zusammenhalten. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Wir wünschen uns, dass unser Volk sich auch jenseits der Kriegsfront zusammenschließt und mit geballter Kraft in Richtung eines unabhängigen und aufblühenden Kurdistans steuert. Meinungsverschiedenheiten sollten nicht wie so oft Anlass für Hasstiraden bilden, sondern erfordern einen professionellen Umgang. Nur gemeinsam sind wir stark!

 

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