Integration von Flüchtlingskindern – Schulen besser ausstatten

PRESSEERKLÄRUNG: 117/1302-2017

Integration von Flüchtlingskindern – Schulen besser ausstatten

Wir können uns keine Fehler leisten, wenn es um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft geht.

Die große Zahl der vor allem schulpflichtigen Flüchtlinge erfordert von Politik und Schulen eine außerordentlich große Anstrengung, um nicht als verlorene Generation in unsere jüngste Geschichte einzugehen.

Cahit Basar, Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland, sieht hier noch erheblichen Handlungsbedarf. Arbeitsmarkt- und integrationspolitisch ist die vielschichtige Eingliederung der jungen Menschen der Schlüssel für eine gemeinsame Zukunft in unserer Gesellschaft.

Neben der Sprachvermittlung ist eine rechtzeitige Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt wichtig. Dazu müssen in den Kommunen die Kooperationen mit den Industrie-, Handels- und Handwerkskammern noch viel stärker ausgebaut werden. In Bayern z.B. habe diese engmaschige Zusammenarbeit zwischen den Kammern und den Kommunen vielen Flüchtlingen eine wichtige Perspektive geboten. Das dadurch mögliche selbstbestimmte Leben mit einem eigenen Einkommen fördert nicht nur die Integration, sie verringert auch den Fachkräftemangel.

Basar: „An guten Praxisbeispielen müssen wir uns orientieren und dürfen nicht an Lehrkräften, Beratern, Projekten und notwendigen Finanzmitteln sparen, sonst riskieren wir einen ökonomischen und gesellschaftlichen Totalschaden der Zuwanderung. Die Schulen als „Erstsozialisierungsinstanzen“ in der neuen Heimat brauchen noch mehr Unterstützung als bisher. Die sinkenden Flüchtlingszahlen sollten nicht davon ablenken, dass hunderttausende Kinder und junge Flüchtlinge bereits im Schulsystem sind. Die engagierten Lehrkräfte dürften, so Basar, „nicht verheizt werden“ und bräuchten dringend zusätzliche Entlastungsstunden und mehr Personal um sich einer individuellen Förderung stärker widmen zu können“. 

Für Cahit Basar endet das Engagement jedoch noch lange nicht bei der Sprachvermittlung und Arbeitsperspektive. Sie sind wichtig aber nicht alles.

Sportvereine, politische und gesellschaftliche Jugendverbände wie z.B. die Pfadfinder, oder Jugendfeuerwehr könnten in der Demokratie- und Werteerziehung einen großen Beitrag leisten.

Die von Krieg und Flucht traumatisierten jungen Menschen, die teilweise in archaischen Gesellschaften aufwuchsen, sind mit Rollenbildern und einem Wertekanon ausgestattet, den sie bei der Einreise nach Deutschland nicht an der Grenze abgelegt, sondern in die Mitte unserer Gesellschaft mitgebracht haben. Das gleichberechtigte Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Glaubensgemeinschaften gehört für viele leider nicht in ihren Erfahrungsschatz.

Ein gewaltfreier Diskurs, der Respekt vor dem anderen Geschlecht und dem freien Willen sind innerhalb der Peergroups in den Jugendverbänden deutlich besser vermittelbar als in der Theorie der Lehrbücher.

Basar: „Wir können uns keine Fehler leisten, wenn es um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft geht“.