Kurden-Vertreter Toprak kritisiert Merkels Türkei-Politik: „Das ist eine Schande“

Kurden-Vertreter Toprak kritisiert Merkels Türkei-Politik: „Das ist eine Schande“

“Mit deutschen Waffen werden Kinder, Frauen und ältere Menschen umgebracht.“

  • Der Chef der Kurdischen Gemeinschaft in Deutschland, Ali Ertan Toprak, kritisiert die deutsche Haltung zum türkischen Krieg in Syrien
  • Deutschland mache sich mitschuldig, wenn Zivilisten in den Kurden-Gebieten sterben

Quelle: http://www.huffingtonpost.de/entry/kurden-vertreter-toprak-kritisiert-merkels-turkei-politik-das-ist-eine-schande_de_5a72e209e4b0146e59446518?utm_hp_ref=de-international

Die Türkei befindet sich im Krieg – in Syrien.

Der militärisch zweitgrößte Nato-Staat bekämpft im Norden des Nachbarlands kurdische Milizen, die ihre besetzten Gebiete sonst vor allem gegen die Terror-Miliz IS verteidigen.

Beobachter bezweifeln, dass der Einsatz wie vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgegeben, eine “Anti-Terror-Operation” ist. Der französische Präsident Emmanuel Macron warnte unlängst vor einer “türkischen Invasion”.

► Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete allein am Sonntag 14 zivile Tote bei Luftangriffen. Die Bundesregierung sieht als Hintergrund der “Operation Olivenzweig” dennoch weiter “legitime türkische Sicherheitsinteressen”.

In der HuffPost kritisiert der Chef der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak, diese Haltung scharf. “Deutschland macht sich mitschuldig”, sagt Toprak. “Es ist Zeit, dass unsere Kanzlerin die Invasion scharf verurteilt.”

So schätzt der Kurden-Vertreter die Lage ein

Für Toprak ist klar: Der Einsatz, den das türkische Militär mit der Freien Syrischen Armee (FSA) in der nordostsyrischen Region Afrin begonnen hat, geht nicht auf eine direkte Bedrohung der Türkei aus den Kurdengebieten zurück.

“Von Afrin aus wurde kein Angriff auf die Türkei gestartet”, betont Toprak. Die Region sei lange eine der sichersten des Landes gewesen.

► Die Regierung in Ankara pocht darauf, dass von Kurden Raketen in türkische Grenzstädte geschossen worden seien.

Toprak charakterisiert den Militäreinsatz anders. Er spricht von einem “völkerrechtswidrigen Angriffskrieg”. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan attackiere die YPG, da er kein autonomes Kurdengebiet in Syrien dulden wolle.

“Ein Nato-Staat kooperiert mit Dschihadisten. Es ist beschämend, wie Hunderte von Zivilisten massakriert werden . Und der Westen, die Nato, EU und Deutschland schauen zu.”

“Das ist eine Schande für unser Land”

Deutschland komme eine verheerende Rolle in dem anhaltenden Konflikt zu, glaubt Toprak, selbst CDU-Politiker. “Mit deutschen Waffen werden Kinder, Frauen und ältere Menschen umgebracht. Das ist eine Schande für unser Land”, sagt er.

Die YPG, eine bewaffnete kurdische Miliz, die die türkische Militärkoalition bekämpft, sei “eine der wichtigsten Verbündeten gegen die Barbarei in Syrien”.

► Die Bundesregierung hat ihre Haltung zu der Gruppe, die zu den wichtigsten Verbündeten der USA zählt, noch immer nicht klar definiert. Sie sieht die YPG nicht als Terrororganisation an, hat jedoch zuletzt das Zuschaustellen ihres Logos in der Öffentlichkeit verboten.

Der Konflikt in Syrien könnte sich derweil schon bald ausweiten.

Auch das syrische Regime hat bereits durchblicken lassen, dass es Erdogans Angriffe auf syrischem Boden nicht langfristig dulden wird. So kam es bereits zu ersten Zusammenstößen zwischen Regierungseinheiten und FSA-Kämpfern.

“Moralische und politische Autorität verloren”

Toprak sieht in dem Krieg in Nordsyrien auch ein Sinnbild für das Schicksal des kurdischen Volkes.

Der HuffPost sagte er: “Die größten Freiheitskämpfer können einfach zur Terroristen erklärt werden, wenn sie keinen eigenen Staat haben.” Das Völkerrecht schütze in Wahrheit nicht die Völker, sondern die Schurkenstaaten.

Auch an die Bundesregierung gerichtet, sagte er: “Wer den Unterdrückten das Recht auf Selbstverteidigung abspricht, hat selbst jede moralische und politische Autorität verloren.”