Kurdische Gemeinde kritisiert die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union!

PRESSEMITTEILUNG: 51/0409-2015

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Als „den europäischen Werten unwürdig“ bezeichnet Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland die aktuelle Diskussion und Politik der europäischen Staaten im Umgang mit der größten Fluchtbewegung des 21. Jahrhunderts, die Europa erlebt hat.

Sehenden Auges haben die europäischen Staaten die kommenden Flüchtlinge ignoriert und die eigentlichen Fluchtursachen der Menschen nicht ernst genommen.

Zu glauben, dass der Syrische Bürgerkrieg nicht zu einer Fluchtwelle führen würde, die Europa früher oder später erfassen würde, war für Toprak schlichtweg naiv.

Mehr noch, während die Türkei aktiv die Terrororganisationen Islamischer Staat und die ebenfalls religiös fundamentalistische Al Nusra Front in Syrien mit Infrastruktur und Waffen unterstützte haben die europäischen Staaten weggesehen. Erst der Terror der von Ankara und anderen reichen arabischen Staaten co-finanzierten Islamisten haben Millionen Menschen aus ihrer Heimat weggerissen und regelrecht an die europäischen Strände gespült.

Die Islamisten haben überall dort, wo der Westen eingegriffen hat, das politische Vakuum ausgenutzt und die Macht übernommen. Der Sturz Gaddafis und Sturzversuch von Assad hat Schlimmeres verursacht als deren Politik.

Man hat interveniert, ohne einen Plan für die Zeit danach.

Der tragische Tod des dreijährigen kurdischen Kindes Alan Kurdi verdeutlicht die Verkettung der Ursachen, die mit einer beherzten Außenpolitik gegenüber der Türkei hätte vermieden werden können.

Die aus der umkämpften kurdischen Stadt Kobane stammende Familie musste vor dem IS-Terror fliehen. Traumatisiert durch den menschenverachtenden Terror und ihrer Heimat entrissen durchquerte die vierköpfige Familie unter größten Entbehrungen die Türkei. Obwohl die türkische Ägäis gegenüber dem Erbfeind Griechenland streng bewacht wird, ist es für Toprak unerklärlich, wie seit Monaten täglich tausende Menschen die Meerenge zwischen dem türkischen Festland und den griechischen Inseln unbemerkt überqueren sollen. Für Ali Ertan Toprak liegt es auf der Hand, dass die Türkei eine Doppelstrategie verfolgt: Sie öffnet den lästigen Flüchtlingen eine Schleuse nach Europa und wird sie los. Zugleich destabilisiert sie allen voran den kriselnden Nachbarn Griechenland weiter. „Der Tod des kleinen Alan ist ein Weckruf an Europa und die gesamte Weltgemeinschaft“ so Toprak weiter. Sein Tod mahnt uns alle, nicht nur eine unbürokratische und zügige Aufnahme der Flüchtlinge durch alle Mitgliedsstaaten der EU zu leisten, sondern auch eine besondere Anstrengung dafür, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Für Toprak bedeutet das konkret die finanzielle und militärische Unterstützung der kurdischen Kampfeinheiten im Kampf gegen die IS sowie eine größere Anstrengung der UNO beim Wiederaufbau der zerstörten Regionen in den kurdischen Gebieten.

Muslime müssen sich aber auch die Frage stellen, „Warum ist das Ziel von so vielen Muslimen Europa und nicht die islamischen Länder?“, findet Toprak und antwortet mit Weizäcker:

Denn „wo Freiheit, Menschenrechte und Pluralismus sind, da ist Europa.“

In Wahrheit ist die große Wanderung nach Europa ein Beweis für die Anziehungskraft des westlichen Systems.