Zahl der Kurden in Deutschland sprunghaft angestiegen.

2015-PE-KGD-08

PRESSEMITTEILUNG: 52/0809-2015

Nahezu die Hälfte der Menschen, die derzeit in Syrien auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg und Terror sind, stammen aus Rojava Kurdistan, den kurdischen Gebieten im Norden Syriens.

Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, verzeichnet einen deutlich spürbaren Zustrom kurdischer Flüchtlinge nach Deutschland. Er schätzt, dass in den letzten zwei Jahren ca. 150.000 Kurdinnen und Kurden in Deutschland Schutz gesucht haben. Dies wäre ein Plus von 15% für die Gemeinde, die in Deutschland eine Million Kurdinnen und Kurden zählt.

Dass die Flüchtlinge aus Syrien entsprechend ihrer Staatsangehörigkeit als Syrer registriert werden, stört dabei Toprak sehr. „Die Menschen wurden nicht verfolgt weil sie Araber sind, sondern weil sie als Kurden für den syrischen Diktator Assad Staatsfeinde sind und für die IS- Terroristen schlichtweg Ungläubige“. Beides sei nun mal, so Toprak weiter, eng mit der kurdischen Identität verbunden, da die Kurden als rechtlose ethnische Minderheit und zugleich liberale Muslime bzw. Jeziden, Aleviten, Juden und Christen innerhalb ihrer Nation die religiöse Vielfalt als eine Selbstverständlichkeit begreifen würden. Für Toprak hat die bisherige Ausländer- und Flüchtlingsstatistik daher kaum Aussagewert. Er plädiert dafür, die Kurden als Nation in die Statistik aufzunehmen.

Die starke Zuwanderung aus den kurdischen Gebieten stellt auch die kurdischen Vereine vor große Herausforderungen. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit und fast ausschließlich spendenfinanziert, leisten die kurdischen Vereine eine laut Toprak großartige Integrationsarbeit von der ersten Stunde der Ankunft an. Eine öffentliche Förderung erhalten die meisten Vereine dabei nicht. Die Vereine geben den Flüchtlingen eine erste Orientierung, unterstützen sie als Dolmetscher und beraten über die nächsten Schritte in der neuen Heimat.

Ali Ertan Toprak sieht in den Flüchtlingen, die vor Krieg, Diktatur und Fanatismus geflohen sind, die Bürger der Zukunft, die gerade aus ihren biographischen Brüchen heraus sich mit Vehemenz für Frieden, Demokratie und Pluralismus einsetzen werden. Angst vor Demokraten müsse man nicht haben, so Toprak weiter. Ihn machen daher nicht die Flüchtlinge Angst, sondern der rechte sowie islamistische Fanatismus in Deutschland.