Neudeck fordert Waffenlieferung

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CAP-ANAMUR-GRÜNDER IN SIEGBURG

Neudeck fordert Waffenlieferung

Der Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck sprach auf Einladung der Kurdischen Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn in Siegburg. Der Spicher sieht kurdische Kämpfer als letzte Rettung für die Flüchtlinge im Irak.

Von Dieter Krantz
Quelle:   Rhein-Sieg Rundschau

Seit Rupert Neudeck vor nunmehr 35 Jahren mit Cap Anamur sein humanitäres Engagement aufnahm, kennt man den Journalisten als leidenschaftlichen Fürsprecher von Menschen in Not. Neudeck hat um Geld gebeten, für die Aufnahme von Verzweifelten geworben. Er hat Lebensmittel verteilt und mit seinen Grünhelmen Schulen gebaut. Nun hat er sich mit ganz neuen Tönen an die Öffentlichkeit gewandt: „Schickt Waffen an die Peschmerga im Norden des Irak“, appelliert der 75-Jährige auch an die deutsche Regierung. „Das ist das Einzige, was da hilft.“

Auf Einladung der Kurdischen Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn war Neudeck zu einem Gespräch nach Siegburg gekommen; auch, um Möglichkeiten der Hilfe auszuloten. „Ich habe das noch nie gesagt“, räumte Neudeck ein; tatsächlich aber sei er davon überzeugt, dass nur Waffenlieferungen den Menschen im Augenblick helfen könnten. „Warum man so lange darüber streitet, kann ich nicht verstehen“. Das, so Neudeck wörtlich, „muss man sofort tun, da muss man keinen Bundestag aus den Ferien holen.“ Schließlich gehe es um Waffen zur Selbstverteidigung, zum Schutz der Flüchtlinge.

Für den Spicher hat die Lage im Norden des Irak, wo die Volksgruppe der Jesiden von den Kämpfern der „IS“ – „eine Bande von Verbrechern“, so Neudeck – vertrieben wurde, Parallelen mit dem Bosnienkrieg in den 90er Jahren. „Wir müssen die Menschen dort schützen oder uns auf eine Luftbrücke vorbereiten und sie hier aufnehmen.“ Klar sieht Neudeck den Westen in der Pflicht zum Handeln, der „jetzt im Zweifel auch militärisch eingreifen muss.“

Gerne sähe Neudeck das Thema auf der Agenda des Weltsicherheitsrates. „Ein versuchter Genozid“ sei an den Jesiden verübt worden, unter Berufung auf die Völkermordkonvention könne das eine UNO-Aktion werden. Mit dem Finger zeigt Neudeck dorthin, wo er die wahrhaft Verantwortlichen sieht: „Das ist nicht vom Himmel gefallen, das kommt aus Saudi-Arabien“. Dass die deutsche Regierung noch immer guter Partner der Saudis sei, ist für ihn eine „falsche Politik“.

Zugleich sind Neudeck und seine Hilfsorganisation der Grünhelme auch „in den Startlöchern“ der humanitären Hilfe. „Neben der Soforthilfe wird Wiederaufbau nötig sein“, schon jetzt sind die Grünhelme im türkisch-syrischen Grenzgebiet aktiv, wo sie drei Schulen für Kinder auf der Flucht errichtet haben. Im Nordirak werde es um Notquartiere gehen, „Dächer über dem Kopf“, ebenfalls um Schulen für die Kinder. „Es muss einer da hin“, kündigte Neudeck an, dass schon bald ein Vorstandsmitglied der Grünhelme sich ein Bild vor Ort machen werde. Zugleich machte er klar, dass die internationale Gemeinschaft gefordert sei: „Die Not ist zu groß, als dass eine kleine Organisation das leisten könnte“. Solidarität und Zusammenstehen erwartet Neudeck allerdings auch von den Muslimen: Zu wenige seien es, die den Mund aufmachten, stimmte er Maria Sido (Gesellschaft für bedrohte Völker) und Musa Ataman zu, dem Vorsitzenden der Kurdischen Gemeinschaft im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn.