Afrîn seit einem Jahr unter türkischer Besatzung

Pressemitteilung: 220/2101-2019

Embed from Getty Images

Afrîn seit einem Jahr unter türkischer Besatzung

Am 20. Januar 2018 begann die völkerrechtswidrige Invasion der türkischen Armee und ihrer islamistischen Milizen in der kurdischen Region Afrîn/Rojava im Norden Syriens. Über 150.000 ZivilistInnen wurden seither zu Flüchtlingen. Plünderungen, Verwüstungen und Enteignungen haben eine Rückkehr unmöglich gemacht. Auch weil die Türkei dort verstärkt arabisch-islamistische Verbündete aus anderen Teilen Syriens angesiedelt hat. Die vor Ort verbliebene kurdische Zivilbevölkerung wird, Augenzeugenberichten zufolge, bedroht und eingeschüchtert. Die lokale Infrastruktur wie Bildungseinrichtungen, aber auch kulturelle Denkmäler werden gezielt zerstört, Orten und Einrichtungen türkische Namen gegeben und öffentliche Gebäude mit türkischen Fahnen beflaggt.

„Wie innerhalb des eigenen Landes auch, zielt die aggressive Außenpolitik der Türkei darauf ab, die kurdische Kultur und politische Identität zu zerstören,“ resümiert Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, die letzten 12 Monate der türkischen Besatzung.

Einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags zufolge, verhält sich die Türkei im Norden Syriens wie eine Besatzungsmacht, und ist ganz offensichtlich auf die Vernichtung des Kurdischen ausgerichtet.

Europa, und allen voran die deutsche Bundesregierung, verschließt vor alledem bewusst die Augen. 

Mehr noch: Die Waffenlieferungen in die Türkei sind im Laufe des Jahres 2018 um mehr als das Dreifache angestiegen. Toprak: „Deutsche Leopardpanzer, die auch in Afrîn zum Einsatz kamen, sind zu einem Symbol dieser schier unerträglichen Politik geworden, die grundlegende Prinzipien missen lässt.“

Die kurdische Gemeinde erwarte daher von der Bundesregierung, aber auch der internationalen Staatengemeinschaft eine radikale Wende: „Die türkische Armee muss mit allen politisch-demokratischen Mitteln dazu gebracht werden, sich wieder aus dem Norden Syriens zurückzuziehen“, so Toprak weiter. 
Vertreibung und Verfolgung müssen – auch im Interesse Europas – ein Ende finden.