APPELL – Prävention gegen Massaker und Genozid in syrisch-kurdischen Siedlungsgebieten

APPELL

Prävention gegen Massaker und Genozid in syrisch-kurdischen Siedlungsgebieten

Während in Syrien der Bürgerkrieg zwischen der Assad-Regierung und oppositionellen Gruppen verlustreich und mörderisch weitergeht, herrscht in den überwiegend von Kurden bewohnten Gebieten eine relative Ruhe. Die Gebiete sind weitgehend von den Bürgerkriegsgebieten und von der Türkei im Norden isoliert.

Seitdem das Assad Regime im Juli 2012 seine Truppen und Verwaltungen aus den kurdischen Gebieten abzog, wurden dort alle staatlichen Aufgaben von den Kurden in Selbstverwaltung unter der Führung des „Hohen Kurdischen Rates“ übernommen. Militärischer Schutz, öffentliche Sicherheit und Ordnung, Gesundheitswesen und Finanzen, werden von selbst gewählten, interkulturellen Komitees verwaltet.

Inzwischen haben ca. eine Million Binnenflüchtlinge, davon 100.000 Christen (Assyrer-Chaldäer-Aramäer), Armenier und andere Minderheiten, in diesen Gebieten Schutz und Sicherheit gefunden. Auch einige Hunderttausend Kurdinnen und Kurden aus den umkämpften Städten Damaskus und Aleppo flohen in diese Gebiete. Die Binnenflüchtlinge in den syrisch -kurdischen Gebieten werden von der Bevölkerung trotz der äußerst schwierigen Versorgungslage wohlwollend in den eigenen Wohnungen aufgenommen und aus ihren knappen Vorräten mitversorgt.

Viele dieser Flüchtlinge beteiligen sich am Überlebenskampf, bei der Alltagsorganisation und Gesundheitsversorgung. Sie schützen sich und die dortige Bevölkerung gegen drohende Übergriffe durch Islamisten, Salafisten und anderen militante Gruppen.

Kurden, Christen sowie andere Minderheiten bemühten sich von Beginn an, um einen friedlichen und demokratischen Wandel. Die syrische bewaffnete Opposition, die mittlerweile weitgehend von radikalen Islamisten unterwandert ist, wollte jedoch die Minderheiten unbedingt in den blutigen Bürgerkrieg hineinziehen. Nachdem die Kurden und die Christen dies verneint haben, wurde das Gebiet zur Zielscheibe von der o.g. Opposition erklärt. Überfälle auf kurdische und assyrische Dörfer, Entführungen von Frauen und Kinder sowie Bandenangriffe gegen Dörfer und Städte häufen sich nun.

Wir sind in großer Sorge, dass diese islamistischen Kräfte im Falle eines Sieges ein Blutbad in den kurdischen Gebieten an Kurden, Assyrern, Aleviten, Christen (aller Konfessionen), Drusen und Yesiden anrichten werden. Und auch bei einem Sieg der Assad-Truppen würden der dortigen Zivilbevölkerung ähnliche Racheakte drohen. Deshalb appellieren wir an die UNO, die EU-Staaten, die anderen Regionen, die OSZE, die USA und den Vatikan, den Schutz der Zivilbevölkerung, insbesondere der Binnenflüchtlinge, gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention sicher zu stellen und damit den Schutz der Selbstverwaltung in den kurdischen Gebieten Syriens zu gewährleisten.

Nie wieder Genozid an Kurden wie in Halabja!

Wir fordern:

· die Errichtung einer UN-Schutzzone für das gesamte syrisch-kurdische Siedlungsgebiet, wo Menschen verschiedener Religionen und ethnischer Zugehörigkeit zusammenleben (wie Assyrer, Aramäer, Armenier und syrische Christen)

· ungehinderten Zugang für anerkannte internationale Hilfsorganisationen zu allen Binnenflüchtlingen, d.h. die Öffnung der Grenzen seitens der Türkei und Syriens und die Garantie eines sicheren Passierens von Hilfsgütern ohne willkürliche ‚Verzollung‘

· die Bereitstellung finanzieller- und materieller Hilfen für die Zivilbevölkerung

· die Beteiligung durch Vertreter der kurdischen, assyrischen, yesidischen, alevitischen, christlichen und anderen Minderheiten an Friedensgesprächen und -verhandlungen; Frauen sollen adäquat vertreten sein.

Berlin, 28. Juli 2013

Erstunterstützer:

* Kurdische Gesellschaft für die Vereinten Nationen UNA-Kurd e.V.

*Büro für Menschenrechte und Minderheitenangelegenheiten Berlin/Brüssel

*Kurdischen Gemeinde Deutschland e. V.

*Initiative Syrisch-Kurdischer Ärzte

*Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland und Mitteleuropa ZAVD e.V.

*Assyrian Universal Alliance AUA e.V.

*Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)

(Für Nachfragen erreichbar auch unter 0173 67 33 980)