Bundeskongress der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V.

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Die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD) hat für den 13. und 14. November zu einem zweitägigen Bundeskongress nach Gießen eingeladen, der unter dem Motto: HEIMAT. FREIHEIT. ZUKUNFT. stand.

Am Freitag den 13. November richtete die KGD einen Empfang für über 500 Gäste aus dem In- und Ausland aus, unter denen sich neben Spitzenpolitikern der Bundes – und Landesebene auch bedeutende Gastredner befanden. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Nuh Ates, kurdischer Schriftsteller, mit einem Gedicht bezogen auf MigrantInnen, die in Deutschland ihre neue Heimat gefunden haben. Begleitet wurde die gesamte Abendveranstaltung durch die drei kurdischen Musikerinnen Pervin Chakar (Opernsängerin), Nure Dilovani (Violine) und Naze Isxan (Klavier), sowie den Moderatoren Berivan Aymaz und Cahit Basar (Generalsekretär KGD)

Neben den Grußworten der Bürgermeisterin der Stadt Gießen, Gerda Weigel-Greilich, haben auch aktive Persönlichkeiten aus der deutschen Politik – der Bundesvorsitzender der Bündnis 90/ die Grünen Cem Özdemir, der hessische Landesvorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD Thorsten Schäfer-Gümbel sowie der stellvertretende Bundesvorsitzende und NRW-Landesvorsitzender der CDU Armin Laschet ihre Grußworte an die kurdische Gemeinde gerichtet.

Aufschlussreiche Impulsreferate von Prof. Dr. Ilhan Kizilhan – „Kampf der Kurden gegen den IS“ und des türkischstämmigen Soziologen Dr. Ismail Besikci – „Weshalb Kurden einen eigenen Staat brauchen“, haben den Gästen einen Einblick in die Geschichte der Kurden gegeben und sowie die Gräueltaten der IS-Terrororganisation an der kurdisch-jezidischen Bevölkerung deutlich nachgezeichnet.

Dr. Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur und Ehrenvorsitzender der Grünhelme sowie Dr. Herbert Schmalstieg, ehem. Oberbürgermeister der Stadt Hannover, haben neben Ihren Grußworten ebenfalls Stellung zur aktuellen Lage im Nahen Osten genommen und ihre Solidarität mit dem kurdischen Volk eindrucksvoll und sehr emotional kundgetan. Mustafa Özçelik, Vorsitzender der Partei PAK (Freiheitspartei Kurdistans) hat in seiner Ansprache die Grüße seiner Partei überbracht.

Tobias Huch und Enno Lenze, besonders bekannt bei der kurdischen Jugend, schilderten ihre Eindrücke von ihren Reisen in die Autonome Region Kurdistan in Nordirak. Sie erläuterten warum der Westen seine Hilfe noch weiter ausbauen sollte. Für seine Aktion „Trinkwasser für Kurdistan“ hat Tobias Huch würdigenden Applaus der Gäste bekommen.

Im Rahmen des Empfangs wurden Cem Özdemir und Dr. Ismail Besikci mit dem Ehrenpreis der KGD e.V. gewürdigt. Geehrrt wurde Cem Özdemir für seine konsequente Haltung in Fragen der Demokratisierung, Schutz der Menschenrechte und für seinen Einsatz für eine friedliche Lösung der immer noch ungelösten „Kurdischen Frage“. Besondere Hochachtung gilt Dr. Ismail Besikci: Mit der Auszeichnung wird sein unermüdlicher Einsatz für das Selbstbestimmungsrecht des kurdischen Volkes über Jahrzehnte gewürdigt. Für diesen Einsatz verbrachte er über 17 Jahre in türkischen Gefängnissen.

Während die Veranstaltung mit einer euphorischen Bekanntgabe der Befreiung Shengals durch den Vorsitzenden Ali Ertan Toprak begann und seinen Lauf nahm, fand der Abend mit der traurigen Nachricht , den Anschlägen der Terrororganisation IS in Paris seinen Ausklang.

Am Samstag den 14. November eröffnete die Bundesdelegiertenversammlung mit einer Schweigeminute für die Toten in Paris und in Kurdistan, die dem gleichen Gegner zum Opfer gefallen sind. Nach einem Bericht des Vorstandes, einer anschließenden Aussprache sowie Entlastung des Vorstandes, fanden die Neuwahlen des Bundesvorstandes der KGD statt. Neben der Bestätigung der alten Präsidiumsmitglieder Ali Ertan Toprak (Bundesvorsitzender), Mehmet Tanriverdi (Stellvertreter), Cahit Basar (Generalsekretär), Baris Duran-Yildirim (stellv. Generalsekretärin) vervollständigen Anya Delen (Stellvertretende Bundesvorsitzende), Özgür Kara (Stellvertretender Bundesvorsitzender) und Suvat Yildirim (Finanzvorstand) das Präsidium. Der neue Bundesvorstand der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V. besteht aus acht weiteren gewählten Personen (Beisitzer); Kehy Mahmoud, Jinda Ataman, Aram Ahmad, Sedat Budak, Bedia Baghistani, Germin Hamres Reso und Nevzat Kahramaner. Als Nachrücker für die Beisitzer wurden Abdurrahim Eyüp Demir, Halise Adsan und Necdet Dolmis gewählt.

Der neue Bundesvorstand besteht somit aus insgesamt 15 Vorstandsmitgliedern. Der Frauenanteil liegt im Bundesvorstand bei erfreulichen 4. Der 2-tägige Bundeskongress der KGD wurde von den Medien mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und Teile des Empfangs sogar live in die Sendungen kurdischer Fernsehanstalten geschaltet.


Link zum Fotoalbum:

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Video: 
Dr. Rupert Neudeck
https://www.youtube.com/watch?v=r2W_STTLr-Q

Video:
Dr. Herbert Schmalstieg
https://www.youtube.com/watch?v=R2fLhF8c50I

Video:
Pervîn Chakar
https://www.youtube.com/watch?v=R2fLhF8c50I


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https://ennolenze.de/der-jahreskongress-der-kurdischen-gemeinde-deutschland/2166/ 


Wechselbad der Gefühle bei Bundeskongress in Gießen

quelle: http://www.giessener-allgemeine.de

Gießen (mö). Es war ein Wechselbad der Gefühle, das die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD) am Wochenende bei ihrem Bundeskongress in Gießen erlebte. Überwogen beim Empfang am Freitagabend in der Kongresshalle zunächst Freude und Stolz über die Befreiung der kurdisch-irakischen Region Shingal (Sindschar) von den Terrorbrigaden des Islamischen Staats, herrschten am späten Abend und tags darauf Trauer und Entsetzen über die Terroranschläge von Paris. Die Tagung am Samstag begann mit einer Schweigeminute.

Viel Prominenz beim Bundeskongress der KGD (v.r.): Rupert Neudeck, Herbert Schmalstieg, Cem Özdemir, Thorsten Schäfer-Gümbel, Gerda Weigel-Greilich, Egon Fritz, Ertan Toprak, Enno Lenze, Tobias Huch und Mehmet Tanriverdi. © Oliver Schepp

Viel Prominenz beim Bundeskongress der KGD (v.r.): Rupert Neudeck, Herbert Schmalstieg, Cem Özdemir, Thorsten Schäfer-Gümbel, Gerda Weigel-Greilich, Egon Fritz, Ertan Toprak, Enno Lenze, Tobias Huch und Mehmet Tanriverdi.
© Oliver Schepp

Es war nach 22 Uhr, als die ersten Meldungen zu den rund 500 Teilnehmern des Empfangs durchsickerten, dass es in Paris Terroranschläge gibt. »Alle waren schockiert, viele sind gegangen«, gab Mehmet Tanriverdi, aus Gießen stammender Bundesvize der KGD, die Stimmung wieder. Er selber hatte die Anwesenden per Saalmikrofon über die Ereignisse in Frankreich informiert.

Dabei hatte der prominent besetzte Empfang mit so viel Zuversicht begonnen. Bundesvorsitzender Ertan Toprak erhielt frenetischen Beifall, als er mit Blick auf die Kämpfe im Nordirak von einem »Tag der Freude« für die Kurden sprach. »150 Kilometer sind von der Barbarei befreit worden«, sagte Toprak und dankte Deutschland für die Entsendung von Waffen und Ausbildern an die kurdischen Kampfverbände. Hart ins Gericht ging Toprak mit dem türkischen Präsidenten Erdogan, der die »eigene kurdische Bevölkerung bombardiert« und den IS unterstütze. Für die Kurden forderte Toprak »Selbstbestimmung und Demokratie« in einem eigenen, »freien Staat«.

Im Mittelpunkt beim Empfang am Freitag standen indes prominente deutsche Sympathisanten und Unterstützer der kurdischen Gemeinde. So erhielt der türkischstämmige Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir, gemeinsam mit dem türkischen Soziologen Ismail Besikci, den Ehrenpreis der KGD. Auch Özdemir, der sich für Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmerga eingesetzt hatte, beglückwünschte seine Gastgeber zur Befreiung Shingals, bedauerte die Entwicklung in der Türkei und verband dies mit Kritik an der Bundeskanzlerin. Özdemir: »Jetzt, wo sich die Türkei in die falsche Richtung bewegt, bittet und bettelt die Bundeskanzlerin bei Erdogan, dass der ein paar Flüchtlinge von Deutschland fernhält.« Ähnlich äußerte sich SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel: »Hätten wir die Türkei früher unterstützt, wären wir heute weiter.« Dem Flüchtlingszustrom werde ein »Jahrzehnt der Integration« folgen, in dem die deutsche Gesellschaft auf die Unterstützung von Organisationen wie der KGD angewiesen sei. Von einer »Weltrekordleistung« sprach Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck mit Blick auf die Präsenz von Flüchtlingen in den autonomen Kurdengebieten. Fünf Millionen Kurden gäben 1,5 Millionen Flüchtlingen Sicherheit – und durch militärische Erfolge die Möglichkeit der Rückkehr. Die kurdischen Kämpfer, so Neudeck, »sind die einzigen Soldaten weltweit, die die Terrorbande des IS wirksam bekämpfen können«. Die deutschen Waffenlieferungen an die Kurden seien richtig gewesen, »und das sage ich als Pazifist«, fügte Neudeck hinzu.

Viel Beifall gab es auch für den später eingetroffenen Chef der NRW-CDU, Armin Laschet, und den früheren Städtetags-Präsidenten und Ex-OB von Hannover, Herbert Schmalstieg (SPD). Bei den Jüngeren im Saal waren Enno Lenze und Tobias Huch mit Selfies sehr gefragt. Politisch bei den Piraten und der FDP zu verorten, haben sie durch ihre Reisereportagen, Internetblogs und Hilfsaktionen über und in Kurdistan gerade unter jungen Kurden viele Fans.

Operngesang und Ethnoklassik steuerten Pervin Cakar, Nure Dilovani und Naze Isxan bei, während sich Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich als Hausherrin in ihrem Grußwort auf die Vorstellung Gießens beschränkte und auf eine Stellungnahme zur Situation im Mittleren Osten verzichtete.

Auffällig waren die Sicherheitsvorkehrungen für die Veranstaltung: Neben Polizei vor der Kongresshalle gab es Leibesdurchsuchungen und Taschenkontrollen am Eingang sowie Sicherheitsleute an den Eingängen zum Großen Saal.


DeutschlandKurden in Deutschland „erschüttert“ über Anschläge in Paris

Berlin (AFP) Die Kurdische Gemeinde in Deutschland hat sich „erschüttert über die brutalen Anschläge in Paris“ geäußert. Dies sei genau „der Terror, der im Nahen Osten Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht hat“, erklärte der Bundesvorsitzende Ali Ertan Toprak am Montag in Gießen. Er forderte von Deutschland und der Europäischen Union, entschiedener als bisher gegen diesen Terror vorzugehen.



Kongress im Schatten der Anschläge

 

quelle: http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/kongress-im-schatten-der-anschlaege_16380999.htm

MINDERHEITEN Die Kurdische Gemeinde Deutschlands trifft sich in Gießen / Auch hier ist die Terrormiliz Islamischer Staat das beherrschende Thema

GIESSEN – (fod). „Die IS-Kämpfer kennen kein Mitleid. Der IS will, dass wir Angst vor ihm haben“, fand Psychologe Jan Kizilhan deutliche Worte. Als er diese am frühen Freitagabend beim Bundeskongress der Kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD) in Gießen sprach, konnte freilich noch keiner der rund 400 Gäste ahnen, dass die Worte nur wenige Stunden später bei den Terroranschlägen des Islamischen Staates (IS) in Paris traurige Bestätigung erhalten sollten. Und so herrschte tags darauf bei den Vorstandswahlen große Bestürzung über die Geschehnisse. „Mit einer Schweigeminute haben wir zu Beginn der Opfer gedacht“, berichteten der Gießener Mehmet Tanriverdi, stellvertretender Bundesvorsitzenderund der Vorsitzende Ali Ertan Toprak. Beide glauben, dass der Zeitpunkt der Anschläge „kein Zufall“, sondern vielmehr auch ein Racheakt für die Befreiung der nordirakischen Stadt Singal von IS-Truppen durch kurdische Peschmerga-Kämpfer war.

Beim Empfang am Freitag herrschten strenge Sicherheitsbestimmungen: Alle Gäste wurden beim Betreten der Kongresshalle von Sicherheitskräften abgeklopft und Taschen kontrollliert. War es den Veranstaltern doch gelungen, namhafte Redner zu gewinnen. Aus der Politik waren dies der am Abend mit einem Ehrenpreis der KGD ausgezeichnete türkischstämmige Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir, der hessische SPD-Chef und SPD-Bundesvize Thorsten Schäfer-Gümbel sowie Armin Laschet, wiederum stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. Hinzu kamen Dr. Rupert Neudeck, Gründer der Hilfsorganisation „Cap Anamur“, und Hannovers Ex-Oberbürgermeister Dr. Herbert Schmalstieg. Die Stadt Gießen vertraten Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich und Stadtverordnetenvorsteher Egon Fritz. Quer über Partei- und Nationalitätengrenzen hinweg sagten die Redner dem IS den Kampf an. Selbst Neudeck fand hierzu von ihm ungewohnt harsche Worte: „Ich bin zwar ein Pazifist, aber eine solche Terrorbande muss bekämpft werden.“

Am eindrücklichsten machte Kizilhan die Gefahr deutlich. Der Psychologe der Dualen Hochschule Baden-Württemberg berichtete von seiner Behandlung schwer traumatisierter Frauen und deren schrecklichen Erlebnissen unter IS-Herrschaft. Frauen würden vom IS systematisch „versklavt, verkauft und vergewaltigt“. Zudem würden „Ungläubige“ zu Tausenden hingerichtet. Schäfer-Gümbel verteidigte vor diesem Hintergrund die Waffenlieferung Deutschlands an die kurdischen Peschmerga-Kämpfer, wenngleich es „keine einfache Entscheidung“ gewesen sei. Auch Özdemir hatte sich im Bundestag dafür stark gemacht, was ihm Toprak bei der Überreichung des Ehrenpreises hoch anrechnete.

Angesichts von IS und Flüchtlingskrise rückte das Hauptanliegen der KGD, die Lebenssituation ihrer kurdischen Landsleute zu verbessern, fast schon in den Hintergrund. Toprak kritisierte, dass die Kurden in Deutschland als zweitgrößte Minderheitengruppe statistisch weiterhin als Türken erfasst würden. Bei Vorstandswahlen am Samstag wurde das Präsidium der KGD wiedergewählt: Es besteht aus Ali Ertan Toprak (Vorsitzender), Mehmet Tanriverdi (Stellvertreter), Anya Delen (Stellvertreterin), Cahit Basar (Generalsekretär) und Suvat Yildirim (Finanzvorstand). Dazu kommen zehn Beisitzer. Bemerkenswert ist, dass dem Vorstand sechs Frauen angehören.