Kurden feierten in diesem Jahr in Deutschland ein friedliches NEWROZ-FEST

Newroz-2016-dkg

Deutsch-Kurdische-Gesellschaft Gießen


Kurdische Gemeinde über Newroz-Fest

Politischer Frühlingdom-radio

Trotz der Terrorangst hat in der Kurdenmetropole Diyarbakir die zentrale Feier zum kurdischen Neujahrsfest Newroz begonnen. Worum es bei dem Fest geht, erklärt Mehmet Tanriverdi aus der kurdischen Gemeinde Deutschland.

domradio.de: Warum feiert man in der kurdischen Kultur denn ausgerechten jetzt das Neujahrsfest? Hat das etwas mit einem kurdischen Kalender zu tun?

Mehmet Tanriverdi (Stellvertretender Vorsitzender der kurdischen Gemeinde Deutschland): Ja, in der Tat. Newroz heißt „neuer Tag“, „neuer Beginn“. Der 21. März ist der Beginn des Frühlings, auch wenn in Deutschland der Frühling noch nicht überall zu spüren ist. Für Kurden ist das ein uraltes Fest, es ist rund 2600 Jahre alt und nicht religiös.

Das Fest der Kurden ist viel mehr als nur die Freude über den Frühlingsbeginn, das Fest ist Wille zum Widerstand gegen Unterdrückung und Barbarei. Das ist auch historisch belegt. Newroz ist die Hoffnung auf Demokratie und Anerkennung, was die Kurden ja gerne haben möchten. Newroz ist der Wunsch nach Frieden und Freiheit. Dieses Fest feiern Kurden weltweit, im Nahen Osten in ihrer Heimat, aber auch außerhalb.

domradio.de: Das heißt es geht auch um Politik, darf es denn dann auch überall gefeiert werden? Zum Beispiel auch in der Türkei?

Tanriverdi: Das Newroz-Fest war vor ein paar Jahren noch in der Türkei verboten, jetzt darf es beschränkt gefeiert werden. Viele Newroz-Kundgebungen wurden damals in kurdischen Städten unter anderem auch in Diyarbakir verboten.

domradio.de: Das heißt zurzeit ist die Lage in der Türkei, aber auch anderswo nicht gerade rosig für die Kurden. Friedensgespräche gibt es seit längerem nicht mehr. Die türkische Luftwaffe fliegt Angriffe gegen die PKK. Die kurdische Minderheit ist insgesamt unterdrückt. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Tanriverdi: Es herrscht Bürgerkrieg. Die Türkei bombardiert innerhalb der türkischen Grenzen kurdische Dörfer und Städte. Die Altstadt von Diyarbakir ist zum Teil sehr zerstört, die Stadt Cizre ist zum Teil zerstört, mehr als 90 Prozent der Bewohner sind aus Cizre geflohen. In den letzten sechs Monaten sind mehr als eine halbe Million Kurden innerhalb der Türkei auf der Flucht, das heißt die Türkei produziert selbst Flüchtlinge.

Wenn man Bezug nimmt auf die Flüchtlinge in der Türkei beziehungsweise die Verhandlungen zwischen EU und Türkei, dann ist die Türkei eigentlich nicht Lösung für die Flüchtlinge, sondern die Türkei produziert selbst Flüchtlinge außerhalb der türkischen Staatsgrenze durch das Vorgehen des türkischen Militärs gegen Kurden.

Das Interview führte Christian Schlegel.

Quelle: http://www.domradio.de/themen/interreligiöser-dialog/2016-03-21/kurdische-gemeinde-ueber-newroz-fest


Sehnsucht nach Frieden und Sicherheit

Newroz-Fest der Kurdischen Gemeinschaft

Quelle: http://www.extra-blatt.de/rag-vwp/docs/1285421/rheinsiegkreis

Rhein-Sieg-Kreis (dwo). Viele Völker in Zentralasien würdigen den Beginn des neuen Jahres mit einem Frühlingsfest. Auch die Kurdische Gemeinschaft Bonn/Rhein-Sieg lud die Menschen zum „Newroz“ in die Räumlichkeiten der Lindenstraße ein. Rund 200 Menschen feierten hier miteinander bei Musik und Tanz im Hof am Newroz-Feuer, das die Sehnsucht nach Frieden, Freiheit und Sicherheit ausdrückt. Vereint genoss man die fröhliche Atmosphäre, sowie das köstliche Buffet.

Beim Newroz-Fest der Kurdischen Gemeinschaft kamen über 200 Leute,… Foto: Woiciech

Höhepunkt war jedoch der Vortrag eines 24-jährigen syrischen Flüchtlings, der ein kurdisches Gedicht aufsagte. Dabei spürte man, wie wichtig der Zusammenhalt in der heutigen Gesellschaft ist. Die Kurdische Gemeinschaft führt selbst zahlreiche Aktivitäten durch, zum Beispiel Deutschkurse, die Kleiderkammer und eine Fahrradwerkstatt in Kooperation mit der Flüchtlingsinitiative Lohmar.
Dazu kommen noch Lesezirkel, Koch- und Nähkurse. Außerdem wurde im letzten Jahr eine Qualifizierungsmaßnahme für Ehrenamtliche im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Trauma und Flucht“ durchgeführt. „Ohne die Bereitschaft unserer Ehrenamtlichen hätten wir die unterschiedlichen Vorhaben und Projekte nicht umsetzen können“, betont die stellvertretende Vorsitzende Jinda Zelal Ataman und verwies auf die außerordentlichen Anstrengungen von Ländern, Kommunen und Bürgern, die Asylsuchenden im Rhein-Sieg-Kreis aufzunehmen und zu integrieren. Besonders in dieser Hinsicht lohnt es sich, gemeinsam Newroz zu feiern, was übersetzt „der neue Tag“ bedeutet. Es ist wahrscheinlich das älteste kurdische Fest und wurde 612 vor Christus erstmalig zelebriert. Es symbolisiert Widerstand gegen Unterdrückung und Tyrannei, sowie die Sehnsucht nach einem menschenwürdigen Leben in Frieden und Freiheit.

… um den Frühling zu begrüßen. – Foto: Woiciech

… um den Frühling zu begrüßen.

 


Newroz 2016 / Gießen

Newroz-2016-dkgAuch in diesem Jahr feierte Die Deutsch-Kurdische-Gesellschaft Gießen das traditionelle Neros Fest. Im Zentrum Interkulturelle Bildung und Begegnung Gießen (ZIBB) fand am Sonntag, 20.März 2016 der Newroz-Empfang statt, an dem etwa 200 geladene Gäste anwesend waren. Schwerpunkt des diesjährigen Empfanges waren Flüchtlinge. Es waren zahlreiche junge Flüchtlinge aus dem syrischen Teil Kurdistans anwesend. Eröffnet wurde die Feier vom Vorsitzenden Murat Karaaslan. Er begrüßte die anwesenden Gäste und hob die Bedeutung des Newroz-Festes hervor.
Auch der Ehrenvorsitzende der Gesellschaft Mehmet Tanriverdi ergriff das Wort und kritisierte die europäische Flüchtlingspolitik und ging auf die aktuelle Lage in Kurdistan ein. Unter den Gästen waren die Dezernentin für Schule und Integration Astrid Eibelshäuser und der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Grüne Klaus-Dieter Grothe. Musikalisch wurde der Abend von der Gruppe Koma Sor begleitet. Zu Essen gab es reichlich kulinarisches aus der kurdischen Küche.

Quelle: http://dkg-giessen.de/blog/?p=269