Kurdische Gemeinde Deutschland e.V. trauert um einen der herausragendsten Politiker in der kurdischen Geschichte

Kurdische Gemeinde Deutschland e.V. trauert um einen der herausragendsten Politiker in der kurdischen Geschichte

Mit tiefer Bestürzung haben wir vom Tod des ehemaligen Präsidenten des Irak, dem Gründer der Patriotischen Union Kurdistans, dem Peschmerga-Kämpfer und dem Vordenker der kurdischen Freiheitsbewegung, Jalal Talabani erfahren. Mit ihm verliert das kurdische Volk einen engagierten Politiker, bewundernswerten Menschen und großen humanistischen Kurden.

Jalal Talabani wurde in Kelkan in Kurdistan im Jahre 1933 geboren. Der damalige junge Freiheitskämpfer trat schon mit 14 Jahren der Demokratischen Partei Kurdistans (PDK) bei und stand seitdem für das Recht und die Freiheit des kurdischen Volkes ein. Diesen Kampf führte Talabani als Journalist, als Peschmerga und später als Politiker und politischer Führer an. Der Staatsmann und kritische Denker, der von den Kurden „Mam Jalal“ also „Onkel Jalal“ genannt wird, war einer der großen, hoffnungsgebenden politischen Aktivisten im Neuen Irak nach Saddam Hussein und stand wie kaum ein zweiter für die Westbindung, Aufklärung und Demokratie.

In der „September Revolution“ von 1961, als die Kurden sich gegen die Repressalien des irakischen Staates auflehnten, spielte „Mam Jalal“ eine führende Rolle im Kampf gegen die Armee des irakischen Regimes mit dem Ziel den Frieden in der Region langfristig zu erhalten.

1975, nachdem er die PDK verlassen hatte, gründete er mit Gleichgesinnten die Patriotische Union Kurdistans (PUK) unter den Leitbegriffen „Frieden, Demokratie, Menschenrechte und Selbstbestimmung“. Dafür kämpfte Jalal Talabani sein ganzes Leben lang. Diesen humanistischen Prinzipien treu hatte er selbst als Präsident des Irak die Unterzeichnung der Todesstrafe für den verurteilten Diktator Saddam Hussein abgelehnt, da selbst dieser Vollzug seinem klaren Verständnis von den universellen Menschenrechten entgegenstand.

Seine Reden, Schriften und Ansprachen in den Bergen Kurdistans, von den Balkonen kurdischer Städte und auf internationalen Bühnen machten ihn für Millionen von Kurden und Mitbürgern schon zu Lebzeiten zu einer Legende. Diese Ideen werden nach seinem Tod weiterleben – in unserem Denken und in unserem Ringen nach dem Guten und Möglichen. Er setzte sich konsequent für den Frieden aller Völker der Region ein. Dabei ließ er sich von der Vernunft des Miteinander, der Toleranz und die Kraft des politischen Willens leiten.

Als Präsident des neuen jungen fragilen Irak bewies er, dass das möglich und machbar ist. Am 20.September sagte der amtierende Präsident Kurdistans, Masud Barzani, über Mam Jalal: „Deine Brüderlichkeit und deine große Rolle werden niemals vergessen werden mein geliebter Bruder, Präsident Mam Jalal Talabani.“

So wie wir heute in tiefster Trauer an ihn denken lernen wir, wir haben einen langen Weg vor uns um seine Ziele zu erreichen. Şev baş Mam.


Archiv:
Jalal Talabani


Aus Anlass zum Bombenanschlag in Kirkuk: Mam Jalal Talabani im Jahre 1992 über Kirkuk 

„Sie versuchen wiedereinmal das Feuer Baba Gurgurs zu löschen. Doch ihr Geist ist schwach! Die kurdische Nation ist eine lebendige, revolutionäre und aufopferungsbereite Nation! Und solange ein einziger Kurde am Leben ist, ist Kirkuk eine Stadt Kurdistans!

Ich bin der Überzeugung, dass Kurdistan jede Region aufgeben würde, aber es gibt keinen Kurden, keinen einzigen, ehrenvollen Kurden, der Kirkuk und das Umland Kirkuks aufgeben würde!
Sindschar (Shingal), Tal Afar, Zumar und Shekhan, bis runter nach Chanaqin, Mandali, Badra und Jassan, all diese Städte gehören zum gelobten Land Kurdistans!

Seit Jahrtausenden, seit Jahrtausenden haben unsere Väter und Vorväter diesen Boden verteidigt und uns als Erbe überlassen. Abgesehen von alledem; Heute ist das kurdische Volk Besitzer einer aufopferungsbereiten, revolutionären Peschmerga Armee, die Tag für Tag, im Angesicht dieser und jener Gefahren, einen Befreiungskrieg führt. Und Tag für Tag, trainieren tausende ehrenvolle und geliebte Peschmerga dieses Landes, tausende dem Volk dienende Peschmerga, in den Ausbildungslagern der Berge und bereiten sich auf den Tag der endgültigen Befreiung unseres geliebten Kurdistans vor.

Wiedereinmal wollen wir es bekräftigen, dass unsere Grenze, die Grenze unserer Väter und Vorväter, die Grenze unseres Kurdistans – ohne dass wir auch nur einen Zentimeter Land von jemand anderem beanspruchen – ist das Hamrin Gebirge und solange das Hamrin Gebirge steht wird es die Südgrenze Kurdistans sein, das schwöre ich bei den Augen aller Besatzer Kurdistans!

Der Schlüssel für die Kurdenfrage ist Kirkuk, bleibt Kirkuk und wird auch letzten Endes Kirkuk sein!“

Quelle: KGD Facebook >>>