Neue Dokumente belegen Einsatz von chemischen Kampfmitteln aus NS-Deutschland im Dersim-Massaker von 1937/38 – Aufarbeitung notwendig

Pressemitteilung: 229/1605-2019

Neu aufgetauchte Dokumente belegen, dass die Regierung unter Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der heutigen Türkei, im Jahr 1937 chemische Kampfmittel aus NS-Deutschland kaufte, um sie in Dersim gegen alevitische Kurd*innen einzusetzen.

Nach Schätzungen starben in der Region Dersim um 1937/38 rund 60.000 alevitische Kurd*innen durch einen systematischen Vernichtungskrieg der jungen türkischen Republik. Die Massaker, die die Kurden*innen in ihrem Zaza/Kirmanci Dialekt Tertele“ (Vernichtung) nennen, haben sich ins kollektive Gedächtnis der Kurd*innen eingebrannt.

„Das erste Dokument über die Verwendung toxischer Gase im Massaker von Dersim wurde 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die nun in der türkischen Tageszeitung Dersim Gazetesi veröffentlichten historischen Dokumente legen nun auch die skandalöse Bezugsquelle der Giftgase offen“, so Mehmet Tanriverdi, stellvertretender Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland.

Unter den 20 Tonnen in Nazi-Deutschland gekauften giftigen Gasen befanden sich demnach Yperit (Senfgas) und Chloracetophenon (Tränengas).

Aus den historischen Dokumenten geht hervor, dass zeitgleich aus der USA Kampfflugzeuge eingekauft wurden sowie die Bereitstellung von automatischen Anlagen, um die Gase zu Bomben zu verarbeiten, geordert wurde.

„Anlässlich dieser Veröffentlichungen wünschen wir uns von der Bundesregierung sowie den Parteien im deutschen Bundestag auch aus moralischer Pflicht ein beherztes Engagement, das zur Aufarbeitung dieses offenbar dunklen Kapitels deutsch-türkischer Geschichte beiträgt. Gerade für die über 1,2 Millionen in der Bundesrepublik lebenden Deutsch-Kurd*innen wäre dies von fundamentaler politischer und emotionaler Bedeutung“, meint Tanriverdi.