Offener Brief: Herkunft der Opfer richtig benennen!

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In einem offenen Brief appelliert die KGD an die Mitglieder des 2.Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages: 
Herkunft der Opfer richtig benennen!

 
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Sehr geehrte Damen und Herren,

die schrecklichen Morde der sogenannten Zwickauer Zelle sind unvergleichlich in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Nach Bekanntwerden der Taten hat der Staat gehandelt: Es gab einen Staatsakt, die Angehörigen der Opfer wurden vom Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin empfangen, eine Ombudsstelle für die Opfer und ihre Angehörigen wurde eingerichtet und es wurden Denkmäler zur Erinnerung an die Opfer eingeweiht.

Auch der 2. Untersuchungsausschuss („Terrorgruppe NSU“) hat zweifelsohne einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung der Rolle der Sicherheitsbehörden hinsichtlich der Mordserie geleistet. Dass der Untersuchungsausschuss beabsichtigt, in Kürze einen einstimmigen Abschlussbericht vorzulegen, ist einmalig. Sie und Ihre AusschusskollegInnen haben die umfangreiche Aufklärungsarbeit hautnah miterlebt und dazu beigetragen. Dafür sind wir Ihnen zu Dank verpflichtet.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland e.V. weist allerdings darauf hin, dass die Opfer – eine deutsche Polizistin und neun Migranten (ein Grieche, acht Männer aus der Türkei, zwei davon eingebürgert) – bisher in der Öffentlichkeit als Grieche (oder griechischstämmig) bzw. Türken (oder türkischstämmig) benannt wurden. Die Bezeichnung Kurden (oder „kurdischstämmig“) fehlt hingegen. Mittlerweile ist uns jedoch bekannt, dass fünf der acht aus der Türkei stammenden Opfer kurdischer Abstammung sind. Wir bitten Sie daher in Ihrem Abschlussbericht, die Herkunft der Opfer richtig zu stellen.

Unser Verband, aber auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BAGIV), haben von Anfang an auf dieses Versäumnis hingewiesen. Die korrekte Darstellung der Opferherkunft ist eine bedeutende Wertschätzung gegenüber den Angehörigen, aber auch der MigrantInnen kurdischer Abstammung, die in Deutschland zu Hause sind. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe sind mittlerweile deutsche Staatsbürger. In Deutschland leben schätzungsweise eine Million Menschen kurdischer Abstammung.

Wir hoffen, dass sich Mordtaten wie die der sogenannten Zwickauer Zelle niemals wiederholen und das verlorene Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat zurückgewonnen werden kann. Ihr Abschlussbericht leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.

Hochachtungsvoll

gez. Mehmet Tanriverdi
– stellv. Bundesvorsitzender –