Es muss endlich die Sprache gesprochen werden, die Erdogan versteht!

  1. PRESSEERKLÄRUNG: 120 /2802-2017

Es muss endlich die Sprache gesprochen werden, die Erdogan versteht!

Die Kurdische Gemeinde Deutschland nimmt zu der aktuellen Krise um die Verhaftung des Welt-Korrespondenten Deniz Yücel, wie folgt Stellung:

Zur Zeit sind 152 JournalistInnen in der Türkei in Haft, viele davon kurdische JournalistInnen, von Azadiya Welat, Jinha, DIHA, etc.

Die Kurden haben auch seit Jahrzehnten und schon lange vor Erdogan eine schmerzliche Erfahrung mit Ausnahmezuständen und der Willkürjustiz gemacht.

Für den Westen waren sie aber leider immer nur Kollateralschaden, um die Türkei im Bündnis halten zu können. Erdogan hat es endgültig geschafft, die ganze Türkei in eine Diktatur zu verwandeln.

Jetzt ist auch Deniz Yücel, deutscher Journalist, zum Opfer der Willkür-Justiz der Türkei geworden.

Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland erklärt dazu: „Das ist eine weitere Machtdemonstration des Erdogan-Regimes, die wir nicht länger akzeptieren dürfen. Die gegenwärtige Situation ist der schmerzliche Beweis für das Scheitern der bisherigen deutschen Türkeipolitik.“

Nach Ansicht Topraks war diese Entwicklung den Kennern und Beobachtern der Lage in der Türkei schon länger bewusst. Die Kurdische Gemeinde Deutschland hatte seit Jahren immer wieder öffentlich darauf hingewiesen. „Aber die Politik und weite Teile der Medien in Deutschland wollten die Transformation der Türkei von einer defekten Demokratie in ein Willkürregime bis vor kurzem nicht wahrhaben“, so der Bundesvorsitzende Toprak.

Toprak weiter: „Wir haben davor nicht nur die Augen verschlossen, sondern uns vor Erdogan so klein gemacht, dass er glaubte, dass man alles, was eine Demokratie und den Rechtsstaat ausmacht, zerstören könne, ohne dass ein Widerstand aus dem Westen kommt. Erdogan hat leider Recht behalten.“

Toprak glaubt, dass jetzt für die deutsche Öffentlichkeit endgültig der Punkt des Erträglichen überschritten sei. Der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland fordert Konsequenzen: „Wenn Politik der Zugeständnisse gescheitert ist, muss man die Sprache sprechen, die Erdogan versteht. Das bedeutet, jede finanzielle Unterstützung über EU-Töpfe, wie EU-Heranführungshilfen u.ä. sofort einstellen, jede militärische Unterstützung sofort stoppen, Deutsche Soldaten sofort aus der Türkei abziehen und Einreiseverbot für alle AKP-Politiker und Medien verhängen.“

Die Krise um Deniz Yücel zeigt uns noch etwas Wesentliches: „Die demokratischen Werte schätzt man mehr in der Krise. Das gilt sowohl für den einzelnen Bürger als auch für die Bundesrepublik Deutschland. Wir haben uns noch nie so schutzlos gefühlt wie jetzt.“