Kurdische Gemeinde Deutschland verurteilt Ausschreitungen in Frankfurt: Gewalt darf friedlichen Protest nicht diskreditieren

Die Kurdische Gemeinde Deutschland hat die Ausschreitungen in der Frankfurter Innenstadt am vergangenen Samstag mit großer Sorge verfolgt. Nach den weitgehend friedlichen Gen-Z-Protesten kam es zu Plünderungen, brennenden Barrikaden und gewalttätigen Angriffen auf Einsatzkräfte. Nach einer ersten Polizeibilanz wurden rund 100 Polizistinnen und Polizisten verletzt, einer davon schwer. 54 Personen wurden festgenommen, fünf Geschäfte geplündert. Auch Feuerwehr- und Rettungskräfte waren Angriffen ausgesetzt.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland verurteilt diese Gewalttaten aufs Schärfste. Unsere Gedanken sind bei allen Verletzten. Angriffe auf Menschen, die für die Sicherheit und den Schutz der Bevölkerung im Einsatz sind, sind durch nichts zu rechtfertigen.

Der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Ali Ertan Toprak, erklärt dazu:

„Eine demokratische Gesellschaft muss friedlichen Protest ermöglichen und schützen. Gleichzeitig darf Gewalt niemals als legitimes Mittel politischer Auseinandersetzung akzeptiert werden. Wer Polizistinnen und Polizisten, Feuerwehrleute oder Rettungskräfte angreift, überschreitet eine klare Grenze. Wir dürfen aber auch nicht zulassen, dass die Gewalt einzelner dazu führt, friedlichen Protest und berechtigte gesellschaftliche Anliegen pauschal zu diskreditieren. Gerade in einer vielfältigen Gesellschaft brauchen wir mehr Dialog, gegenseitigen Respekt und Vertrauen statt Eskalation und Ausgrenzung.“

Die Ereignisse in Frankfurt machen einmal mehr deutlich, wie wichtig ein belastbares Vertrauensverhältnis zwischen Polizei und Zivilgesellschaft ist. Dieses Vertrauen entsteht nicht von selbst, sondern muss im Alltag aufgebaut und gepflegt werden.

Genau hier setzt die Kurdische Gemeinde Deutschland mit ihrem bundesweiten Projekt „Begegnung schafft Akzeptanz“ an, das sie seit 2021 umsetzt. Gemeinsam mit Polizeibehörden und lokalen Vereinen bringt das Projekt Menschen aus unterschiedlichen Communitys, darunter insbesondere auch junge Menschen, mit Polizistinnen und Polizisten zusammen. In einem offenen und zugleich kritischen Dialog werden gegenseitige Vorurteile hinterfragt, Berührungsängste abgebaut und Verständnis füreinander geschaffen. Das Projekt wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Rahmen des Kooperationsnetzwerks – Sicher Zusammenleben (KoSiZu) gefördert.

Bislang haben bundesweit mehr als 250 Menschen aus verschiedenen Communitys sowie rund 80 Polizistinnen und Polizisten und Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter an dem Projekt teilgenommen. Die Erfahrungen zeigen: Wo Menschen einander begegnen, miteinander sprechen und auch kontroverse Fragen offen ansprechen, können Vertrauen und gegenseitiger Respekt wachsen.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland appelliert daher an Polizei, Politik und Zivilgesellschaft, den Dialog weiter zu intensivieren und Begegnungsräume zu schaffen. Es braucht gemeinsame Anstrengungen, um gesellschaftliche Spannungen abzubauen, demokratische Werte zu stärken und das Vertrauen zwischen staatlichen Institutionen und den verschiedenen Teilen unserer Gesellschaft nachhaltig zu fördern.

Demokratie lebt vom friedlichen Protest, vom respektvollen Miteinander und vom gegenseitigen Vertrauen. Gewalt hingegen spaltet und gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt.