
Stellungnahme der Kurdischen Gemeinde Deutschland: Enttäuschung ist keine Einbahnstraße
Die jüngsten Äußerungen von Donald Trump über die Kurden nehmen wir zur Kenntnis – sie verwundern jedoch.
Gerade die Kurdinnen und Kurden haben allen Grund zur Enttäuschung über die Nahostpolitik der Vereinigten Staaten. Über Jahrzehnte hinweg waren kurdische Kräfte verlässliche Partner im Kampf gegen Terrorismus und für Stabilität in der Region. Insbesondere im Kampf gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ haben kurdische Einheiten einen hohen Preis gezahlt – im Vertrauen auf internationale Unterstützung.
Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, erklärt dazu:
„Wer heute von Enttäuschung über die Kurden spricht, verkennt die Realität. Es sind die Kurdinnen und Kurden, die wiederholt erleben mussten, dass internationale Partner sie im entscheidenden Moment allein gelassen haben.“
Das jüngste Beispiel Syrien zeigt eindrucksvoll, wie die Assad Diktatur durch eine neue islamistische Diktatur ersetzt wurde und das jahrelange Bemühen zu Demokratisierung des landesergebnislos blieben.
Umso prägender sind die Erfahrungen politischer Kurswechsel, abrupter Rückzüge und mangelnder langfristiger Sicherheitsgarantien. Diese haben nicht nur Vertrauen erschüttert, sondern auch konkrete humanitäre und sicherheitspolitische Folgen für die Menschen vor Ort gehabt.
Gerade in Ost Kurdistan (kurdisches Gebiet im Iran) standen Kurdische Einheiten bereit, um den entscheidenden Beitrag zum Sturz des Mullah Regimes zu leisten, wurden jedoch von Trump selbst als eine mögliche Option verworfen. Nicht auszuschließen ist, dass die Türkei, der Irak dazu beitrugen, diese Option zu verwerfen. Hintergrund dürfte sein, dass beide Staaten mit dem iranischen Regime in vielfältiger Weise verbündet sind und man verhindern möchte, dass Kurden aus ihrem Beitrag zum Sturz des Regimes Forderungen ableiten, die zu einer Autonomie der Kurden im Iran führen könnte.
Toprak ergänzt:
„Die Kurden waren verlässliche Partner im Kampf gegen den Terrorismus – oft unter größten Opfern. Eine Politik, die dieses Engagement ausblendet oder relativiert, gefährdet nicht nur Vertrauen, sondern auch die Glaubwürdigkeit westlicher Außenpolitik insgesamt.“
Wir erwarten daher eine differenzierte Betrachtung:
Die Beziehung zwischen den USA und den Kurden ist keine Einbahnstraße. Sie ist geprägt von gemeinsamer Verantwortung, aber auch von wiederholten Brüchen.
Als Kurdische Gemeinde in Deutschland stehen wir für eine Politik, die auf Verlässlichkeit, Schutz von Minderheiten und langfristige Stabilität setzt. Wer von Partnerschaft spricht, muss auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen – gerade gegenüber denen, die über Jahre hinweg an vorderster Front für gemeinsame Ziele gekämpft haben.
Unsere Enttäuschung richtet sich nicht gegen einzelne Aussagen, sondern gegen eine Politik, die zu oft kurzfristigen Interessen folgt und langfristige Konsequenzen ausblendet.