Was macht ihr eigentlich? Ein Wochenbericht von Cahit Basar, Generalsekretär der KGD

Was macht ihr eigentlich?

Ein Wochenbericht von Cahit Basar, Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde

Manchmal erreichen uns Fragen danach, was wir als Kurdische Gemeinde Deutschland eigentlich in unserem Tagesgeschäft tun. Trotz einer engagierten Öffentlichkeitsarbeit über die verschiedensten Kanäle, wie etwa Pressemitteilungen, Soziale Netzwerke und eine kontinuierlich aktualisierte Internetpräsenz, erscheint unsere Arbeit manchem womöglich zu abstrakt. Der folgende Wochenbericht soll helfen, einen Eindruck davon zu bekommen, wie sich die Kurdische Gemeinde Deutschland tagtäglich und praxisorientiert als Migrantenorganisationen engagiert.

Berlin, Nürnberg, Köln, Berlin, Frankfurt und am Ende ein Briefkasten

Kurz vor der Sommerpause intensivierte die Kurdische Gemeinde Deutschland mit zahlreichen politischen Gesprächen ihre Arbeit. Sie war und ist auch aktuell ein gesuchter Gesprächs- und Interviewpartner zu den bevorstehenden Wahlen in der Türkei. Wiederholt und in unterschiedlichen Gesprächsformaten und Medien sind wir auch diese Woche als ein wichtiger integrationspolitischer Akteur in Deutschland mit eigenen Impulsen und Ansichten aufgetreten.

Montag

Unsere Woche begann am Montag mit einem Treffen im Bundeskanzleramt. Die neue Staatsministerin für Migration und Integration Frau Annette Widmann-Mauz empfing eine Delegation der Kurdischen Gemeinde Deutschland. Das gegenseitige Kennenlernen stand im Vordergrund dieses Treffens. Schnell fanden sich viele Gemeinsamkeiten mit der Staatsministerin, die sich ebenso wie die Kurdische Gemeinde selbstbewusste, aktive und konstruktive migrantische Akteure wünscht, die die Chancen und Gelegenheiten in dieser Gesellschaft nutzen, um an einer stabilen Wertegemeinschaft mitzuwirken. Allen in der Gesprächsrunde war es dabei wichtig, die besondere Rolle von Frauen und Kindern hervorzuheben, deren Rechte auf individuelle Entfaltung und Gleichheit keinesfalls zur Debatte stehen darf. Die Kurdische Gemeinde Deutschland wird zukünftig die Stärkung von Frauen- und Kinderrechten noch intensiver als bisher in den Fokus ihrer politischen Arbeit nehmen.

Dienstag

Das schließlich von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände (BAGIV) vorgelegte Alternativpapier fand nach wesentlichen inhaltlichen Beiträgen der Kurdischen Gemeinde Deutschland nicht nur unsere Unterstützung. Auch zahlreiche andere Migrantenverbände schlossen sich dieser differenzierten Erklärung an, darunter The African Network of Germany e.V. (TANG) oder der Bundesverband russischsprachiger Eltern (BVRE).

Angesichts der Vielfalt auch unter den migrantischen Organisationen sehen wir in unserer abweichenden Position einen Diskussionsbeitrag, der in einer lebendigen Demokratie unentbehrlich ist.

Während unser Präsidium in enger Abstimmung mit unseren migrantischen Partnern das Alternativpapier aushandelte, war Ali Ertan Toprak bereits unterwegs nach Nürnberg. Als Präsident des BAGIV führte er dort wichtige Gespräche mit dem BAMF zum hochaktuellen Thema: Gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Ali Ertan Toprak legte auf dem Weg von Nürnberg nach Berlin noch einen Zwischenstopp in Köln ein. Als gern gesehener Experte war er in der Sendung „Bernama Kurdi“ bei Cosmo TV/WDR zu Gast. Thema der Sendung: „Wahlen in der Türkei“.

Mittwoch

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen des Integrationsgipfels der Bundeskanzlerin Angela Merkel, zu dem nebst anderen auch die Kurdische Gemeinde Deutschland eingeladen war. Mehmet Tanriverdi, stellvertretender Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, nahm an dem Gipfel teil. Für Schlagzeilen hatte der Gipfel bereits ein Tag zuvor gesorgt. Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte überraschend seine Teilnahme abgesagt. Die Bundesregierung sowie die Organisationen und Verbände der Migranten und der Migrationsarbeit nutzten das Forum unbeirrt, um wichtige Akzentuierungen in der Integrationsarbeit zu setzen. Auf dem Gipfel wurde nun die gemeinsame Erklärung der Migrantenorganisationen vorgetragen. Die alternative Erklärung, die gemeinsam mit der KGD von fünfzehn Migrantenorganisationen unterschrieben wurde, stellte Ali Ertan Toprak in seiner Eigenschaft als Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände (BAGIV) vor. Toprak wies noch einmal darauf hin, dass es uns wichtig ist, die Gesellschaft nicht zu spalten, sondern zwischen der Einwanderungsgesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft Brücken zu schlagen.

Donnerstag

Am Donnerstag setzten wir mit einem Besuch beim israelischen Botschafter in Berlin ein wichtiges Signal für die kurdisch-israelische Freundschaft und Solidarität. Seit Jahren beklagt die Kurdische Gemeinde Deutschland den wachsenden Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft. Seine Exzellenz Botschafter Jeremy Issacharoff bedankte sich gleich zu Beginn des Treffens bei unserem Bundesvorsitzenden Ali Ertan Toprak und seinem Stellvertreter Mehmet Tanriverdi für die Solidarität mit der jüdischen Bevölkerung und Israel
sowie für das Engagement gegen Antisemitismus. Es folgte ein Gespräch in einer herzlich freundschaftlichen Atmosphäre.

Über 300.000 Kurden jüdischen Glaubens leben in Israel und werden in der Zukunft für uns wichtige Ansprechpartner sein, mit denen wir uns austauschen wollen.

Freitag

Am Freitag ist die Luft noch lange nicht raus. Wir haben auch heute noch viel vor! Ali Ertan Toprak wird in Frankfurt erwartet. Als Gastredner hat er die wichtige Aufgabe, auf der Konferenz „Deutschland und die Türkei“, organisiert vom Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, einen Vortrag zur Lage der Kurden im Nahen Osten und in Deutschland zu halten. In seinem Vortrag geht er natürlich auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland ein. Das Auditorium ist positiv überrascht darüber, dass der Vertreter einer großen Migrantenorganisation sich ohne Wenn und Aber für einen Heimatbegriff einsetzt und den Dialog zwischen Zuwanderern und Mehrheitsgesellschaft als essentiell bezeichnet. Doch auch damit nicht genug: Im Laufe des Vormittags intensiviert sich noch einmal der E-Mail- und Telefonverkehr mit unserer Geschäftsstelle in Gießen und mündete am Nachmittag mit der finalen Ausfertigung von Projektanträgen, die fristgerecht in den Briefkasten kamen.

Jetzt gilt es, für gute Ideen die Daumen zu drücken und zufrieden ins Wochenende zu gehen. Die kommende Woche wirft bereits ihre Schatten voraus. Bundesvorstand und MitarbeiterInnen werden wieder unterwegs sein und freuen sich auf zahlreiche Begegnungen.

Heimat – Freiheit – Zukunft, wir arbeiten daran!