Zu wenig Kontakte erschweren die Integration

Auf dem Podium: Hildegard Schneider (2. v. r.) leitete die Diskussion mit Jinda Ataman, Hidir Celli und Daniela Topp-Burghart (v. l.). Foto: Paul Kieras

Auf dem Podium: Hildegard Schneider (2. v. r.) leitete die Diskussion mit Jinda Ataman, Hidir Celli und Daniela Topp-Burghart (v. l.). Foto: Paul Kieras

 

Podiumsdiskussion in Siegburg

14.05.2016 SIEGBURG. Integration ist ein langfristiger Prozess, der über Generationen hinausgeht und die größte gesellschaftliche Herausforderung in den nächsten Jahrzehnten sein wird. Darüber waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion beim Europa-Empfang einig, zu dem die Frauen Union Rhein-Sieg (FU) am Donnerstagabend ins Stadtmuseum eingeladen hatte.

Quelle: General Anzeiger Bonn
Paul Kieras

Im Fokus der Überlegungen stand vor allem die Frage: „Was tut die EU für die Integration von Frauen?“. Darüber diskutierten untereinander und mit den Gästen im Auditorium Kölns Vize-Bezirksbürgermeisterin und Vorsitzende des „Ring Europäischer Frauen“, Daniela Topp-Burghardt, der Leiter der evangelischen Migrations-und Flüchtlingsarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Bonn und Vorsitzender des Bonner Institutes für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen, Hidir Celik, und Jinda Ataman, Mitglied im Bundesvorstand der Kurdischen Gemeinde Deutschland.

Celik hatte zuvor in einem Kurzreferat betont, Integration müsse dazu führen, dass Migranten „Teil der Gesellschaft werden“. Dazu brauche man Strukturen und ein Gesamtkonzept bezüglich Sprache und Bildung vom ersten Tag der Ankunft an. Je höher der Bildungsstand desto besser die Integrationsmöglichkeit, lautete sein Fazit. Er warnte vor der Entstehung von Parallelgesellschaften, die oft zu Radikalisierung führten. Aus eigener Erfahrung berichtete er von Migranten, die schon in der dritten Generation hier lebten, aber „immer noch nicht angekommen sind“.

Mitte April hatte die Frauen Union in einem Brief an Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf die Besonderheiten bei der Integration von Frauen im Eingliederungsprozess hingewiesen.

Sie warnte davor, den Schwerpunkt auf Integrationsmaßnahmen zu legen, die ausschließlich mit der Integration auf dem Arbeitsmarkt verbunden sind, und wies darauf hin, dass gerade Familien aus dem arabischen und nordafrikanischen Kulturraum häufig Strukturen aufwiesen, in denen die Frauen ausschließlich an die Familie gebunden seien. Dies mache eine wirkliche Integration der Frauen schwierig, da die kontinuierlichen Kontakte der Migrantinnen mit der hiesigen Bevölkerung sehr eingeschränkt seien.

Daher sieht die Frauen Union auch die Erziehung der Kinder auf dem Boden unserer Grundrechte in demokratischem Verständnis als schwierig. Sie forderte die Bundesregierung auf, die Integrationssituation von Frauen besonders zu berücksichtigen und schlug Integrationskurse ausschließlich für Frauen vor.