
Pressemeldung 369/2110-2026
65 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen: Die Lebensleistung der kurdischen Gastarbeiter darf nicht unsichtbar bleiben!
Am 30. Oktober 1961 wurde das deutsch-türkische Anwerbeabkommen unterzeichnet. Zum 65. Jahrestag würdigten Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin und Ministerpräsident Hendrik Wüst in Düsseldorf und Ankara die Lebensleistung der damaligen Gastarbeitergeneration.
Diese Anerkennung ist wichtig. Doch sie bleibt unvollständig, solange ein wesentlicher Teil dieser Geschichte ausgeblendet wird: Unter den Menschen, die aus der Türkei nach Deutschland kamen, waren auch Hunderttausende Kurdinnen und Kurden.
Sie arbeiteten in Bergwerken, Stahlwerken, Fabriken und zahlreichen anderen Bereichen. Unter oft harten Bedingungen trugen sie maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands bei. Ihre Kinder und Enkel sind heute ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft.
Ihre Arbeitskraft war gefragt – ihre kurdische Identität blieb häufig unsichtbar.
Viele wurden pauschal als „Türken“ bezeichnet, obwohl sie Kurdinnen und Kurden waren. Damit wurde und wird ihre Identität bis heute verleugnet und die Narrative der Leugnung und Türkisierung des türkischen Staates fortgeschrieben.
Eine Politik, die Kurdinnen und Kurden seit Jahrzehnten unterdrückt und ihre Sprache und Kultur zurückdrängt.
Die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD) stellt deshalb klar: Die Geschichte der Einwanderung aus der Türkei ist eine ethnisch vielfältige und somit auch kurdische Geschichte. Wer die Lebensleistung dieser Generation würdigt, darf ihre Herkunft nicht verschweigen und ihre Identität nicht auslöschen.
Wir verneigen uns vor dem Mut, den Entbehrungen und der Lebensleistung dieser Generation. Sie haben zum wirtschaftlichen und kulturellen Erfolg unseres Landes mit beigetragen und seine Gesellschaft mitgeprägt.
Doch Anerkennung darf nicht bei Sonntagsreden enden. Sie muss auch die Menschen in ihrer ganzen Identität sichtbar machen.
Wer die Lebensleistung der Gastarbeiter würdigt, muss auch die kurdische Identität anerkennen. Denn wer Menschen ehrt, darf ihre Geschichte nicht verleugnen.
Sichtbarkeit ist keine Frage der Höflichkeit. Sie ist eine Frage des Respekts.