KGD zum Tag der Menschenrechte

 

  • 10. Dezember 2013 : Tag der Menschenrechte

Der „Codex Ur-Nammu“ gilt als älteste erhaltene Überlieferung, in welcher die Menschenrechte festgelegt wurden, nämlich die Gleichheit der Bürger. Sie ist in sumerischer Sprache abgefasst und wird auf 2100 v. Chr. datiert. Gefunden wurden die Abschriften in Mesopotamien, worauf sich heute mitunter auch Kurdistan beruft.

Seit 1988 wird am ‚Tag der Menschenrechte’ der Sacharow-Preis vergeben, auch EU-Menschenrechtspreis genannt: 1988 zum ersten Mal an den kürzlich verstorbenen Nelson Mandela, der als Symbol für Freiheit diesen Preis mehr als verdiente.
7 Jahre später, nämlich 1995, wurde auch Leyla Zana, eine kurdische Symbolfigur, ebenso mit diesem Preis geehrt. Zu dieser Zeit saß sie im Gefängnis, weil sie es gewagt hatte als Abgeordnete im türkischen Parlament den Eid in ihrer Muttersprache zu sprechen. Sie wurde erst 2004 – nach internationalem Druck – aus der Haft entlassen.

Warum wurde nun ein Tag ausgewählt, um zu mahnen und gleichzeitig diejenigen zu ehren, die sich für Frieden und Freiheit einsetzen? Aus dem ganz einfachen Grund: Weil auch gegenwärtig weltweit Bedarf besteht!

Unterdrückung von ethnischen und religiösen Minderheiten, Kinderarbeit, Zwangsheirat, Zensur: Die Einhaltung der Menschenrechte ist auch im 21. Jahrhundert nicht selbstverständlich, obwohl sie allen Menschen in gleicher Weise zustehen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion und Alter. Der Tag der Menschenrechte erinnert jedes Jahr am 10. Dezember daran.

Am 10. Dezember 1948 trat Eleanor Roosevelt vor den Vereinten Nationen in Paris ans Rednerpult und las die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vor. Was die Witwe des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt damals mit sanfter Stimme verkündete, war ein historisches Ereignis: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit verständigten sich die damals 56 UN-Mitgliedstaaten auf Rechte, die für alle Menschen gelten sollten, über alle Grenzen und Kulturen hinweg. Es wurde am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Palais de Chaillot in Paris genehmigt und verkündet:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“

Die Menschenrechtserklärung besteht aus 30 Artikeln. Diese enthält grundlegende Rechte, die jedem Menschen zustehen, „ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.“ Schon in der Präambel ist die grundsätzliche Absicht „Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt und „die Würde und den Wert der menschlichen Person und an die Gleichberechtigung von Mann und Frau“ verankert.

Dem kurdischen Volk, verteilt auf die Staaten Türkei, Irak, Iran und Syrien, wurden Menschenrechte stets verwehrt. Während sie im Irak nach der grausamen Diktatur Saddam Husseins eine kurdische Autonomie auf die Beine stellen konnten und sich heute selbst verwalten, werden ihnen in der Türkei immer noch elementare Menschenrechte wie Bildung in der eigenen Muttersprache verwehrt. Gestern noch reagierten türkische Abgeordnete empört und aggressiv, weil im türkischen Parlament das Wort ‚Kurdistan’ fiel.

Die Einhaltung der Menschenrechte sollte allezeit im unmittelbaren Umkreis, vor der eigenen Haustür, anfangen. Eine dreiste Art von Heuchelei liegt vor, wenn Vertreter von Staaten, die selbst Menschenrechte verletzen, ebenda Menschenrechtsverletzungen beklagen, wie der türkische Außenminister Davutoglu: Er brachte gestern seine Besorgnis zur Sprache, da in der Gegenwart das Recht auf Leben noch nicht respektiert werde und es Orte gebe, wo Menschen unterdrückt werden würden. Zudem kündigte der Außenminister an, dass die Türkei gegen Bedrohungen des internationalen Friedens, der Sicherheit und des Wohlstands sowie gegen Menschenrechtsverletzungen entschlossen ihren Kampf fortsetzen wird.

Zu kostbar ist ‚Der Tag der Menschenrechte‘, um von Heuchelei missbraucht zu werden, denn weltweit haben Menschen für Freiheit und Frieden ihr Leben geopfert, ebenso in der Türkei.

Auch im Iran sind Hinrichtungen politischer Aktivisten kurdischer Herkunft immer noch an der Tagesordnung, worauf die KGD in zahlreichen Erklärungen die Aufmerksamkeit richtete.

Und in Syrien wehren sich die Kurden heute sowohl gegen Angriffe von Fundamentalisten als auch gegen Angriffe des syrischen Regimes. Bereits 2006, lange vor der Revolution und dem Bürgerkrieg in Syrien, gingen Kurden in Syrien in Qamischli (kurd.: Qamişlo) auf die Strasse, um friedlich für Menschenrechte in Syrien zu demonstrieren.

Weltweit werden Menschen aufgrund ihrer Ethnie, Religion, ihres Geschlechts oder sozialen Stellung Menschenrechte verwehrt. Unsere Solidarität muss allen Menschen gelten, die nicht in Freiheit und Frieden leben können, denn nur gemeinsam können wir das Schweigen brechen.

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