In Gedenken an den 7. Oktober 2023

Drei Jahre sind seit dem brutalen Angriff palästinensischer Terrorgruppen und Zivilisten auf den Süden Israels vergangen. Kibbuzim wurden überfallen, Feiernde des Nova-Festivals kaltblütig ermordet. Mehr als 1.200 Menschen wurden gefoltert, vergewaltigt und ermordet, etwa 240 Babys, Kinder, Frauen und Männer in den Gaza-Streifen verschleppt. Die filmisch dokumentierte Brutalität dieses Massakers stellt eine Zäsur der Gegenwart dar. Sie hat Traumatisierung, Angst und Fassungslosigkeit hinterlassen, in Israel ebenso wie bei Jüdinnen und Juden in Deutschland und weltweit.

Die Täter filmten ihre Verbrechen und verbreiteten sie live im Internet. Kaum war das Unfassbare geschehen, entbrannten Debatten darüber, ob die Entführung von Säuglingen, die Ermordung von Holocaust-Überlebenden oder sexuelle Gewalt als legitimer Widerstand oder Propaganda gewertet werden könnten. Täter-Opfer-Umkehr und Verschwörungsmythen prägen seither die Relativierungen. Die Gewalt der Erinnerungsverweigerung verbindet sich dabei mit israelbezogenem Antisemitismus und erinnert erschreckend an die Mechanismen der Holocaustleugnung.

Das jüdische Leben in Israel, Deutschland und weltweit steht unter Druck. Angst und Rückzug bestimmen den Alltag vieler Jüdinnen und Juden. Die Bedrohung ist spürbar, allgegenwärtig und die Verantwortung der Weltgemeinschaft ist dringlicher denn je.

Umso erschreckender ist die politische Hilflosigkeit im Umgang mit dem Antisemitismus. Während jüdisches Leben in Deutschland von Angst, Bedrohung und antisemitischer Gewalt geprägt ist, verhandeln SPD, Grüne und Linke in Berlin darüber, ob sie sich auf eine gemeinsame Linie gegen Antisemitismus verständigen können. Drei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 wird in der Hauptstadt darüber gerungen, auf welchen Begriff von Antisemitismus man sich einigen kann. Dass der Antisemitismus selbst auf eine Auslegungsfrage reduziert wird, offenbart eine zutiefst beunruhigende Entwicklung.

Wir gedenken der mehr als 1.200 Menschen, die am 7. Oktober ermordet wurden und all jener, die bis heute mit den Folgen des Massakers leben. Zugleich appellieren wir an die demokratische Öffentlichkeit und die Zivilgesellschaft, sich mit Jüdinnen und Juden in Deutschland zu solidarisieren und angesichts des grassierenden Antisemitismus Haltung zu zeigen. Was im Kampf gegen Rechtsextremismus als demokratische Selbstverständlichkeit gilt, muss auch gegenüber Antisemitismus gelten. Wer jüdisches Leben schützen will, muss Antisemitismus klar benennen und ihm öffentlich entgegentreten.